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Das Lebensgefühl und damit das Wollen, die Wünsche, Bedürfnisse, Gedanken, Fragen etc. sind im Jugendalter deutlich anders gelagert als im späteren Erwachsenenalter. Egal, ob uns jetzigen Erwachsenen das nun gefällt oder nicht: Es ist so! Zwangsläufig ist es so, und es ist ja auch das Recht der Kindheit und Jugend, sich im Leben zu erproben, das Leben versuchend zu erlernen.

Das Erlernen des Lebens in Kindheit und Jugend ist nicht leicht. Viel Beschwerliches trifft auf den jungen Menschen und selbst in der liebevollsten und bestgehüteten Umgebung lauern stets subtil und verborgen Gefahren für die weitere Entwicklung. Alles, was die junge menschliche Würde verletzen kann, besonders Scham- und Schuldgefühle, die im Entwicklungsalter in aller Regel unberechtigt sind, können einem jungen Menschen ungeahnt zu schaffen machen. Und nicht nur dem jungen Menschen: Wenn sich diese Persönlichkeitsprägungen nicht auswachsen, bleiben sie subtil als schwere Belastung im Erwachsenleben auch präsent.

Was also könnte ein Mentor für Jugendliche leisten, das nicht seitens der Eltern, Verwandten oder der Gleichaltrigen gleichermaßen geleistet werden könnte? - Die Beziehung zu Eltern und Verwandten ist oft übersät mit beiderseitigen Anforderungen und Erwartungen, Hoffnungen, Ängsten, Stolz und all den Emotionen, die zu einer langjährigen Erziehungsbeziehung dazugehören. Ein Mentor ist frei von diesen (ev. festgefahrenen) gegenseitigen Erwartungen und Emotionen. Sein Augenmerk gilt allein der positiven Entwicklung.

Der Mentor erkennt auch die Bedeutung der Gleichaltrigenbeziehungen für den Jugendlichen an. Schwierigkeiten und Konflikte, die sich zwangsläufig auch hier, besonders hier, ergeben, können zur Entlastung und Weiterentwicklung gemeinsam reflektiert und bearbeitet werden. Dies schafft den erforderlichen erleichterten Freiraum für weitere Schritte und Unternehmungen.

Nicht zuletzt kann ein Jugendlicher mit einem Mentor auch erlernen, wie man auf sinnvolle, konstruktive Weise mit Konflikten, Schwierigkeiten und Problemen umgeht und Lösungen herbeiführen kann. Insofern kann ein Mentor auch die umfassenden Aufgaben eines Hauslehrers, wie man ihn aus früheren Zeiten kannte, wahrnehmen.

 

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